Meine Kindheit war in zahntechnischer Hinsicht frustierend. Immer, wirklich immer, wenn der Schulzahnarzt da war, wurden meine Eltern und ich mit dem gehassten “Ihr Kind hat behandlungsbedürftige Zähne” – Zettel beglückt. Nie konnte ich den Zahnarztstuhl verlassen, ohne dass gebohrt wurde. Und das ohne jegliche Betäubung.
Dabei achteten meine Eltern – im Gegensatz zu vielen anderen – auf ordentliches Zähneputzen und gaben mir als Baby auch keine zuckerhaltigen Getränke in die Nuckelflasche, damit ich besser einschlafen konnte. Oder noch besser: Honig an den Schnuller *grusel*
Es liegt halt leider bei uns in der Familie. Janek hat es ebenfalls erwischt. Und da braucht mir jetzt keiner mit dem Argument zu kommen, Kariesanfälligkeit sei nicht genetisch veranlagt. Mit dem Thema bin ich durch. Vor kurzem hatten wir Übernachtungsgäste mit Kindern, bei denen der Vater selbst zugab, dass er staune, dass seine Jungs (im Teenageralter) noch nie Karies hatten. Einer habe jetzt zum ersten Mal eine kleine Stelle, aber sonst nie etwas. Er erlebte Janeks Zahnhygiene quasi live mit und bestätigte mir, dass es einfach nicht fair sei, dass er in seinem noch so jungen Leben schon so viel Ärger mit den Zähnen hatte.
Kürzlich war wieder eine Füllung an einem Backenzahn herausgebrochen, und die Aussicht auf einen Zahnarztbesuch verleitete Janek zu einem Seufzer “Bitte mit Vollnarkose”. Wie gut konnte ich ihn verstehen! Eine Freundin empfahl mir die Kinderzahnarztpraxis ihrer Tochter: die Kidsdocs in Berlin-Steglitz. Ich zeigte Janek vor unserem ersten Termin die Homepage der Praxis, und er war – genau wie ich – begeistert von den Fotos und den Versprechnungen, die dort gemacht werden. Soviel vorweg: wir wurden nicht enttäuscht.
Der erste Termin ist ein reiner Untersuchungstermin, wo erst einmal nur “Bestandsaufnahme” gemacht wird. Diesen Termin kann man sogar online reservieren, was ganz harten Zahnarztphobikern die Möglichkeit für Ausreden á la “jetzt ist die Praxis zu, da kann ich erst morgen anrufen” nimmt. Ich habe den ersten Termin auf diesem Wege klar gemacht, und schon eine Woche später fuhren wir durch die halbe Stadt nach Steglitz. Da kein Stau war, brauchten wir für eine Strecke von ca. 10 km nicht einmal eine halbe Stunde. Da man nach unserer Erfahrung auch immer superpünktlich dran kommt, sparen wir gegenüber unserer alten Zahnarztpraxis sogar noch Zeit. Denn dort mussten wir oft ein oder zwei Stunden trotz Termin im Wartezimmer ausharren. Inklusive Zahnarztgeruch und Bohrgeräuschen aus dem Behandlungszimmer, was einem das Herz ja auch schon in die Hose rutschen lassen kann. Apropos Zahnarzt-Geruch… Das fiel mir schon im Treppenhaus angenehm auf: es riecht überhaupt nicht nach Zahnarzt. Auch nicht in der Praxis selbst, und ebensowenig in den Behandlungsräumen.
Wie man auf der Homepage erkennen kann, ist die Praxis ganz und gar wie ein Flughafen/ein Flugzeug eingerichtet. Der Empfangstresen in Form eines Flugzeug-Cockpits ist der Check-In, die Sitze im Wartebereich sind Flugzeugsitze, und an der Wand hängt eine Anzeigetafel wie am Flughafen. Alles ist super hell und freundlich eingerichtet, nicht zuletzt die Behandlungsräume. Man checkt also ein, setzt sich hin, greift (je nach Alter) zum “Micky-Maus”-Heft oder “Focus” und kommt kaum zum Lesen, weil man schon von einer netten “Stewardess” aufgerufen und zum “Gate” begleitet wird. Die Behandlungsräume, von denen es insgesamt 10 Stück plus OP und Aufwachräumen gibt, haben mit der üblichen Optik einer Zahnarztpraxis wenig gemeinsam. Der Behandlungsstuhl ist vollkommen flach, es gibt kein Spuckbecken (ja, es geht wirklich ohne ständiges Ausspülen!), und an der Decke ist ein Flachbildfernseher eingearbeitet, auf dem die Kinder während der Behandlung Filme anschauen können. Ich hätte nicht gedacht, dass sich Janek von so etwas so sehr ablenken lässt, sollte aber eines Besseren belehrt werden.
Leider hat die Praxis bei manchen Leuten den Ruf, zu schnell mit Vollnarkosen oder Dormicum (auch LMA-Saft genannt) zu arbeiten. Ich hatte diesbezüglich auch ein wenig Bedenken, wurde aber zu nichts überredet. Möglicherweise ist die Statistik der Narkosen in dieser Praxis ja tatsächlich höher als anderswo, was aber wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass hier viele echte Härtefälle, darunter auch sehr schon sehr kleine Kinder, landen. Da Janek bisher Spritzen jeder Art total verweigerte, war ich besonders gespannt, wie bei ihm die Betäubung ablaufen würde. Beim 1. Termin war Janek geröntgt worden und musste dazu nicht einmal das Zimmer verlassen. Es wurde direkt am Behandlungsplatz gemacht. Leider war das Ergebnis niederschmetternd, mehrere kariöse Zähne, teilweise in den Zahnzwischenräumen. Das war bei ihm nichts Neues, aber bei seinem alten Zahnarzt fiel das immer erst auf, wenn die Karies auch ohne Röntgenaufnahmen sichtbar, also schon sehr weit fortgeschritten war. Ich sprach mit der Ärztin über Janeks Angst vor der Behandlung, und sie meinte, beim ersten Mal könne man es mit Dormicum versuchen und sehen wie es läuft. Ich rief ein paar Tage später – vor dem ersten Behandlungstermin – noch einmal an und holte mir Rat. Janek kann nämlich sehr wohl geduldig still halten und den Mund aufmachen, wichtig war ihm und mir halt nur, dass er keinerlei Schmerzen verspüren muss. Dann reiche auch die normale Betäubungsspritze, wurde mir gesagt, und ich schaute dem Termin teils mit Spannung, aber auch ein wenig Skepsis entgegen. Auf der Homepage gibt es ein Video, in dem gezeigt wird, wie einem Mädchen eine Betäubungsspritze gesetzt wird, von der sie überhaupt nichts mitbekommt. Das konnte ich einfach nicht glauben.
Doch als ich dann auf dem Besucherstuhl saß und über alle Maßen erstaunt dabei zusah, wie mein Sohn, der Spritzenphobiker, eine Spritze in den Mund bekam und nichts davon merkte, war ich endgültig von den Kidsdocs überzeugt. Das Geheimnis ist ein spezielles Gel aus den USA, das den Kindern vorher aufs Zahnfleisch gerieben wird und die Region selbst schon betäubt. Während der gesamten Behandlung schaute Janek wie gebannt auf den Bildschirm an der Decke, wo gerade “Shrek” lief. Die Zahnarzthelferin hatte den Ton so laut gestellt, dass er der Handlung problemlos folgen konnte. Die Karies am ersten behandelten Zahn saß schon sehr tief, es musste viel gebohrt werden, aber Janek nahm das alles total relaxt hin. Am Ende der Behandlung durfte er sich aus dem Koffer am Gepäckband (das Flughafen-Konzept wird wirklich konsequent durchgezogen
) eine Belohnung aussuchen. Ich war nicht sicher, ob ich ihm von der Spritze erzählen sollte, aber als er wissen wollte, warum sich seine Wange so komisch anfühlt, erzählte ich es ihm. Er fiel aus allen Wolken. “ICH habe eine Spritze in den MUND bekommen?”
Schon zwei Tage später war der nächste Termin – es waren Ferien, und das wollten wir ausnutzen. Jeder, der Janek fragte, wie es war, bekam ein “gut” oder sogar “schön” zu hören. Eine Freundin bedauerte ihn “du Ärmster, musst du in den Ferien zum Zahnarzt”, was er überhaupt nicht verstand, da ein Zahnarztbesuch ja nichts Schlimmes ist. Ich staunte, wie schnell er seine bisherigen Erfahrungen vergessen bzw. verdrängt hatte und nun ebenso wie ich von seinen Kidsdocs schwärmte.
Ich war gespannt, ob er beim zweiten Besuch ängstlicher sein würde, weil er ja nun von der Spritze wusste. Aber nein. Hinterher berichtete er mir stolz, dass er die Spritze gesehen habe, weil er extra aufgepasst hat. Der zweite Behandlungstermin verlief genauso erfolgreich wie der erste. Einmal hob Janek kurz die Hand, das verabredete Zeichen, falls er doch etwas spüren sollte. Die Ärztin spritzte noch einmal kurz nach, und alles war bestens.
Wie gut, dass wir noch etwa 2-3 Termine vor uns haben, Janek wäre sonst ganz traurig. Ja, so weit ist es inzwischen wirklich. So weit, dass auch ich fast neidisch werde, wenn ich ihn auf dem Behandlungsstuhl liegen sehe. Hätte es zu meiner Kindheit so eine grandiose Praxis gegeben, es wäre mir viel erspart geblieben. Einziger Haken an der Praxis ist: es wird mit hochwertigeren Komposit-Füllungen gearbeitet, die die Krankenkassen nicht bezahlen. Somit müssen die Eltern pro Milchzahn 30 € und für jeden behandelten bleibenden Zahn 50 € bezahlen. Aber das ist es in meinen Augen absolut wert. Janek Kassenfüllungen sind mehrfach herausgebrochen, und für mich selbst zahle ich auch immer gerne den Aufpreis zu einer vernünftigen Füllung. Warum sollte ich ausgerechnet an der Zahngesundheit meines Kindes sparen? Muss ich halt anderswo sparen. Und wenn man auch noch so eine liebe Familie hat wie ich, die die Füllungen sponsert, ist es noch schöner.
Ich habe nur einen einzigen Fehler gemacht: mich mit zwei Müttern aus Janeks Schule über Kidsdocs unterhalten, von denen eine selbst Zahnarzthelferin ist. Ich wurde fast als grenzdebil bezeichnet, dass ich mein Kind dorthin bringen würde. Hallo???????? Weder wurden uns Kronen noch eine Narkose aufgeschwatzt – dieses Vorurteil scheint sich hartnäckig zu halten -, noch gibt es sonst irgendwas zu meckern.
Mein Sohn hat keine Angst mehr vorm Zahnarzt, Hallelujah!!!!
Es gibt halt Dinge im Leben, sagte, die eine Mutter, da müsse man einfach durch. Zahnarztbesuche gehörten halt dazu, auch wenn sie schmerzhaft sein können.
Puh, dann sollte man einfach den Zahn der Zeit und die Wissenschaft zurückdrehen und zum Zähneziehen wieder zum Barbier gehen. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass negative Zahnarzterlebnisse nicht dazu beitragen, die Angst vorm Zahnarzt zu beseitigen. Wie denn bitte auch?
Ich bin heilfroh, dass wir den Weg zu den Kidsdocs gefunden haben und freue mich sogar schon auf die Eröffnung der Erwachsenenpraxis im Dezember.




Es ist wirklich toll, dass unser Tipp so ein Volltreffer war! Übrigens, die Füllungen kosten je nach Größe unterschiedlich viel, ich selbst habe neulich für eine Minifüllung (in einem natürlich bleibenden Zahn) 30 Euro bezahlt, es gibt irgendwie eine Stafflung nach Füllungsgröße. Kann sehr gut sein, dass Ihr für die nächsten Komposit-Füllungen nur 30 € zahlt. Und die Dinger halten wenigstens, ich habe einige dieser Füllungen schon seit 12 Jahren und sie zeigen keine Abnutungserscheinungen. LG
Wir hatten ja vorhin schon darüber gesprochen, dass bei Erwachsenen anscheinend anders abgerechnet wird. Bei den Kids werden Pauschalen pro Zahn berechnet, abhängig davon ob Milchzahn oder bleibender Zahn. Dabei ist die Größe der Füllung bzw. die Anzahl der Flächen vollkommen egal. Bei den Erwachsenen scheint es anders zu laufen.
Ja, erstaunlich. Wir haben bisher immer 30 Euro bezahlt, aber haben natürlich auch noch keinen bleibenden Zahn bei der Kleinen füllen lassen. Die sind ja erst vor 2 Wochen durchgebrochen (also die ersten Backenzähne) und werden bald versiegelt…:-)
[...] hatte Janek seinen dritten Behandlungstermin bei den Kidsdocs. Dieses Mal hat endlich auch die Anzeigetafel mit den “Abflügen” der Kinder [...]
Seid bitte vorsichtig mit den Kunststofffüllungen – mir wurde auch eine aufgeschwatzt, aber hinterher stellte sich heraus, dass das zu füllende Loch zu groß war, der Kunststoff zieht sich etwas zusammen wenn er trocknet und somit war meine Füllung nicht mehr 100%ig dicht.
Resultat: 2 Wurzelbehandlungen, 1 Wurzelspitzenresektion, 2 Kronen, Entzündung im Kieferknochen, Extraktion des Zahnes, Implantat.
Ich habe selbst mehrere Kunststofffüllungen. Bei mir gab es (toitoitoi) noch keine Probleme damit. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass uns die Füllungen aufgeschwatzt wurden. Egal welche Füllungsart – sicher kann es bei jeder Form hin und wieder zu Komplikationen kommen. Ich bin heilfroh, dass ich inzwischen kein Amalgan, sondern nur noch ordentliche, haltende Füllungen habe. Bei Janek waren die bisherigen Füllungen immer das Problem, weil sie ständig herausgebrochen sind. Die Zeit wird zeigen, ob es mit den neuen Füllungen besser klappt.
Das liegt dann aber am Zahnarzt, wenn er für ein zu großes Loch eine Kunststofffüllung verwendet. Ich hatte auch mal ein ähnliches Problem und mein Zahnarzt sagte mir ehrlich, dass da nur noch mit Amalgam was zu machen ist, weil Kunststoff nur bis zu einer gewissen Größe hält. Ansonsten habe ich einige Kunststofffüllungen und die halten teilweise schon seit 12 Jahren ohne Probleme.
[...] Sohn hat nicht nur einen tollen Zahnarzt, auch von der kieferorthopädischen Praxis hier in Pankow bin ich immer wieder aufs Neue [...]